Lastentransport mit innovativer Technik

Licht der Hoffnung: Spendenaktion ermöglichte Anschaffung eines modernen Lastenfahrrads für den Diakonieladen

Während die erste Veranstaltung von „Licht der Hoffnung“, der Weihnachtsaktion unserer Zeitung, mit Boogie-Woogie am Samstag im Wendlinger Treffpunkt Stadtmitte ansteht, präsentierten die Vertreter des Nürtinger Diakonieladens eines der Ergebnisse der letztjährigen Spendenaktion: ein Lastenfahrrad, das auch Umweltminister Franz Untersteller unter die Lupe nahm.

Weihten gestern das neue Lastenrad ein: (von links) Umweltminister Untersteller, Dekan Waldmann, Fahrradhändler Klinkmüller, Verlags-Geschäftsführer Fritsche, Diakonie-Geschäftsführer Haußmann und Diakonie-Ladenleiter Epple. Foto: ug

30.10.2018, Von Uwe Gottwald

NÜRTINGEN. Es ist eine Mischung aus Lastenrad und Velomobil, mit dem die Mitarbeiter des Diakonieladens künftig kleinere Gegenstände zu ihrer Kundschaft transportieren wollen. Der Diakonieladen in der Plochinger Straße 61, der gut erhaltene Kleidungstücke, Haushaltsgerätschaften und Möbel als Spenden annimmt und zu sehr günstigen Preisen wieder abgibt, kann zwar auf zwei Kleintransporter zurückgreifen, doch sind diese recht gut für den Transport von Möbelstücken ausgelastet. Kleinere Ausstattungsgegenstände, wie zum Beispiel Geschirr oder andere Haushaltsgegenstände, sollen künftig mit dem Lastenfahrrad der Kundschaft frei Haus geliefert werden. Diesen Service bietet der Diakonieladen, auch weil viele Kunden, meist Menschen mit geringem Einkommen, nicht über ein eigenes Fahrzeug verfügen, weiß Ladenleiter Christof Epple.

Zur Einweihung des Mobils begrüßte gestern der Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands, Eberhard Haußmann, im Diakonieladen den evangelischen Dekan Michael Waldmann, den Geschäftsführer von Senner Medien, Christian Fritsche, deren Marketingleiter Thomas Holzwarth und Holger Klinkmüller vom Nürtinger Fahrradhaus Czernoch. Besonders begrüßte Haußmann den baden-württembergischen Umweltminister Franz Untersteller, der sich sehr für die Einsatzmöglichkeiten und die technischen Details des Mobils interessierte, wie Ladenleiter Epple erläuterte.

Das Gefährt ist mit 13 000 Euro nicht ganz billig, steckt es doch voller moderner Technik. Die 14-Gang-Rohloff-Schaltung ist vom Feinsten, doch allein mit Muskelkraft wäre das vierrädrige Fahrzeug nicht zu bewegen. Es ist deshalb mit einem Elektromotor ausgestattet. Die Ladebox bietet gut einen Kubikmeter Raum, die Zuladung beträgt 150 Kilogramm. „Mit einem Meter Breite ist das Mobil auch tauglich für Fahrradwege und kann unter Umständen an einem Stau vorbeikommen“, so Epple. Auch sei das Lastenrad nicht nur wegen seines Antriebs ökologischer, es spare für kleinere Ladungen auch Fahrten mit größeren und dann vielleicht nicht immer voll beladenen Fahrzeugen.

Geschäftsführer Haußmann wies auf den Umweltaspekt hin, mit dem Fahrzeug sei man bislang in Nürtingen und einiges darüber hinaus exklusiv unterwegs, und zwar zu 100 Prozent mit Ökostrom. Dekan Waldmann ist es auch ein Anliegen, Zeichen für Nachahmer zu setzen. „Mit unserer Diakonie wollen wir als Kirche nicht nur Reden, sondern auch Handeln.“ Die Kirche mache sich stark für die Bewahrung der Schöpfung, dazu trage dieses innovative und umweltfreundliche Projekt bei. Beim Radfahren in Italien habe er erst in diesem Sommer solche Fahrzeuge im Einsatz für die Post entdeckt. Waldmann hofft: „Vielleicht kann dieses Leuchtturmprojekt andere anregen mitzumachen.“ Haußmann und Waldmann dankten der Nürtinger und Wendlinger Zeitung, bei der Weihnachtsaktion bedacht worden zu sein, vor allem aber auch deren Leserinnen und Leser, die mit ihrer Spende die Anschaffung überhaupt erst ermöglicht hätten.

Mit Spendengeldern Investitionen für die Zukunft

Verlags-Geschäftsführer Fritsche dazu: „Wir wollen und können keine laufenden Personalkosten für karitative Projekte fördern, wohl aber solche Projekte, die Werte schaffen.“ Dafür sei das Lastenfahrrad ein gutes Beispiel, oder auch die Förderung des Umbaus der Oberensinger Krone zu einer inklusiven Begegnungsstätte. Fritsche schloss mit dem Wunsch nach einem immer sicheren Transport und kräftigen Oberschenkeln.

Für Umweltminister Franz Untersteller ist das Rad, vor allem auch das mit elektrischer Unterstützung, auf dem Vormarsch. Das bestätigte auch Klinkmüller vom Fahrradhaus Czernoch, der bei der Anschaffung der Diakonie beratend zur Seite stand und weiter Ansprechpartner sein wird.

Nicht nur bei der Erzeugung von Strom und Wärme müssten Treibhausgase eingespart werden, auch im Bereich des Straßenverkehrs sei das dringend geboten, betonte Minister Untersteller. Dafür sei der Logistik-Sektor als Wachstumsbranche gut geeignet. „Auch in diesem Bereich können wir auf Dauer nicht mit alter Technik weitermachen“, so Unterstellers Überzeugung. Vor allem auf kürzeren bis mittlerer Strecken sei das Pedelec, worum es sich auch bei diesem vierrädrigen Fahrzeug handle, eine gute Alternative und Ergänzung, besonders auch in den überlasteten Zentren. Steuerliche Anreize könnten zur Verbreitung dieser Art von Mobilität beitragen. Die Diakonie sei, dank der Unterstützung der Lokalzeitung, mit dieser Errungenschaft als ein Werbeträger im Stadtgebiet unterwegs.

Dass es sich trotz des relativ massiven Erscheinungsbilds um ein sehr wendiges und leicht zu handhabendes Fahrzeug handelt, davon konnte sich der Minister bei einer Probefahrt anschließend selbst überzeugen.