Im Gespräch über Gott und die Welt

Der Diakon Hendrik Lohse wird sich bei einer vom evangelischen Kirchenbezirk neu geschaffenen Stelle um Familien kümmern

Freuen sich auf die Zusammenarbeit: (von links) Schuldekanin Dorothee Moser, der neue Diakon Hendrik Lohse und Pfarrer Gunther Seibold. Foto: Selle

18.10.2019 05:30, Von Lutz Selle

Der Kirchenbezirk Nürtingen hat eine neue Stelle geschaffen und mit Hendrik Lohse besetzt. Der 38-Jährige soll sich – zunächst befristet auf die nächsten fünf Jahre – um Familien kümmern. Dabei wird er zu 50 Prozent für die sieben Gemeinden im Neuffener Tal, zur anderen Hälfte im gesamten Kirchenbezirk Nürtingen tätig sein. Am Sonntag wird er offiziell eingeführt.

„Familien stärken – gemeinsam glauben und leben“, unter diesem Namen steht das Projekt, das hinter der neuen Stelle im evangelischen Kirchenbezirk Nürtingen steckt, der sich von Aichtal bis Wendlingen sowie von Wolfschlugen bis Neuffen erstreckt. Hendrik Lohse wird unter anderem die Aufgabe zukommen, Familien-Begegnungs-Plattformen in den Kirchengemeinden aufzubauen. Zudem soll er Familien bei der religiösen Begleitung von Kindern stärken. Hintergrund des Projekts ist eine Kirchenstudie, die das Ergebnis hatte, dass die religiöse Sozialisation von Kindern und Jugendlichen zu einem hohen Anteil in der Familie geschieht.

Die religiöse Erziehung nehme aber ab, weil „viele Eltern selbst nicht mehr so vertraut sind mit dem Religiösen im Alltag“, erklärt die Wendlinger Schuldekanin Dorothee Moser. „Wir gehen davon aus, dass für eine gute Entwicklung aber auch die religiöse Dimension im Leben eine wichtige Rolle spielt.“ Für die Begleitung, Unterstützung und Motivation der Eltern bei der religiösen Erziehung soll der neue Diakon eine Ansprechperson sein. Dabei kann es auch um die ganz banalen Fragen gehen, wie mit Kindern gebetet wird, welche geistlichen Lieder in der Familie gesungen und welche biblischen Geschichten erzählt werden können.

Das Projekt basiert indes nicht auf einem fertigen Konzept. Vielmehr sollen die Fragen der jungen Eltern die Richtung bestimmen. „Wir haben festgestellt, dass viele Eltern die Angebote in den Kirchengemeinden nicht so aktiv wahrnehmen oder vielleicht etwas anderes brauchen.“ Hier setzt die neu geschaffene Stelle an. Mit ihr soll die Frage beantwortet werden, was Eltern heute brauchen, um die Kinder religiös zu begleiten. Der Diakon soll „das Ohr an den Bedürfnissen der Familien haben“.

„Wir würden allgemein gerne den Kontakt zu Familien neu finden, die bisher mit religiösen Fragen nicht bei uns auftauchen“, ergänzt Pfarrer Gunther Seibold. Er ist der Sprecher der sieben Kirchengemeinden, die sich unter dem Namen „Evangelisch im Täle“ zusammengeschlossen haben, nämlich Neuffen, Beuren, Kohlberg, Linsenhofen, Tischardt, Frickenhausen und Großbettlingen. Der halbe Auftrag von Hendrik Lohse im Täle wird zur Hälfte von Mitteln der Kirchengemeinden und zur anderen Hälfte von der Landeskirche finanziert. Die Landeskirche erhofft sich von dem Projekt, dass ein neues Angebot von Gemeindearbeit umgesetzt wird.

„Die Kirche kann Antworten auf Fragen des Lebens geben“

Hendrik Lohse, Diakon für Familienarbeit

Nach der Stellenausschreibung hatte Hendrik Lohse den Zuschlag bekommen. „Er hat uns mit seinen innovativen Ideen und seiner Experimentierfreudigkeit überzeugt“, verrät Dorothee Moser. Sie wird ihn bei seiner Arbeit in den nächsten Jahren begleiten, in den Tälesgemeinden wird ihn die Großbettlinger Pfarrerin Senta Zürn unterstützen. Für die Tälesgemeinden wird für die Familienarbeit eigens ein Arbeitskreis gebildet. „Es wird angeknüpft an das, was es schon gibt“, sagt Seibold. Bei der Arbeit im gesamten Kirchenbezirk soll Hendrik Lohse in ein oder zwei Gemeinden Ideen anstoßen, die dann in andere Gemeinden weiterwandern können. Pro Ort wird der Diakon vier Monate tätig sein.

Der 38-Jährige hat ein Sozialarbeit-Studium hinter sich, stammt aus Sachsen und war als Diakon zunächst in Moritzburg bei Dresden tätig. Zu Lohses Hobbys zählen Gitarrespielen, Lesen, Fahrradfahren und Kochen. In den vergangenen zwölf Jahren war er für Landeskirchen in der Jugendarbeit in Hessen und Bayern tätig – in Eschwege, Darmstadt und Lohr am Main. Nun freut er sich auf Begegnungen mit der „Generation, die in etwa mein Alter hat“ und will in Erfahrung bringen, warum viele in dieser Altersstufe so wenig über die Kirche wissen. „Ich möchte ins Gespräch kommen über Gott und die Welt.“ Dabei wolle er ein Angebot für die ganze Familie schaffen. Sein Ziel sei es, dass „der Glauben wieder mehr in den Fokus rückt – auch zu Hause“. Zudem wolle er deutlich machen, dass die Kirche „Antworten auf Fragen des Lebens geben kann“ – und das nicht nur bei den Sonntags-Gottesdiensten. „Wir wollen für die Menschen da sein und mit ihnen ins Gespräch kommen.“

Die genaue Ausgestaltung des Projektes soll sich je nach dem Interesse der Familien entwickeln. Es ist durchaus gewollt, dass sich über die Kirche auch Familien mit ähnlichen Fragen und Interessen aus verschiedenen Gemeinden kennenlernen können – eventuell durch eine Vernetzung über Social Media.

Am Sonntag, 20. Oktober, um 10 Uhr wird Diakon Hendrik Lohse in der evangelischen Andreaskirche in Großbettlingen in den Dienst der Projektstelle Familienarbeit offiziell eingeführt. Hendrik Lohse ist für Anfragen erreichbar unter der Adresse Theodor-Heuss-Straße 16 in 72636 Frickenhausen-Linsenhofen, Telefon (0 70 25) 8 77 90 70, Handy (01 51) 12 96 25 17, E-Mail Lohse@evkint.de.