St.-Bernhards-Kirche: Neuer Glanz für das älteste Gebäude in Neckarhausen

Die St.-Bernhards-Kirche in Neckarhausen wird aufwendig saniert – Wiedereröffnung voraussichtlich im November

Die Schäden am Gebälk sind schlimmer als angenommen.

eim Rundgang mit Gemeinde- und Ortschaftsräten informierte Architekt Albert Hörz (rechts) über die Baumaßnahmen. Neben ihm OB Johannes Fridrich (Mitte) und Pfarrer Hans-Joachim Baumann. Fotos: Holzwarth

20.08.2020 05:30, Von Rudi Fritz

Die Neckarhäuser Bevölkerung muss seit Mitte April auf das gewohnte Glockengeläut ihrer St.-Bernhards-Kirche verzichten. Das älteste Gebäude der 3900-Seelen-Gemeinde wird aufwendig renoviert, restauriert und modernisiert. Ändern wird sich das Aussehen des Kirchturms, der komplett verputzt und wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt wird.

NT-NECKARHAUSEN. Bereits 1420 wurde der älteste Teil der heutigen St.-Bernhards-Kirche in Form einer Kapelle erbaut. 1606 kam das Kirchenschiff dazu, 1777 wurde dieses erneuert und die Decke in der heutigen Form gestaltet. Der Zahn der Zeit hat seither kräftig an dem 600 Jahre alten Gotteshaus genagt, sodass immer wieder Renovierungen gemacht werden mussten.

Bei einer der jüngeren Sanierungen wurde 2001 die Chorempore abgebaut und der Chor neu gestaltet. In diesem Zuge hat man die drei Felger-Fenster mit den Motiven „Glaube – Liebe – Hoffnung“ eingebaut. 2013 wurden die Zifferblätter an der Südseite des Kirchturms erneuert. „Beim Einbau hat uns der Uhrenbauer auf die Mängel am Gebälk des Fachwerks aufmerksam gemacht“, berichtet Pfarrer Hans-Joachim Baumann. Dies war Ausgangspunkt der laufenden aufwendigen Generalsanierung der St.-Bernhards-Kirche.

Eine noch im selben Jahr gemachte erste Bestandsaufnahme durch Experten sah Kosten für die Ausbesserungsarbeiten von 27 000 Euro vor. Der Oberkirchenrat genehmigte das Sanierungsvorhaben jedoch wegen eines statischen Problems am Kirchendach nicht. 2018 wurde dann das Architekturbüro Riehle + Assoziierte aus Reutlingen beauftragt. Der erste Kostenrahmen belief sich auf 500 000 Euro. Nach der denkmalschutzrechtlichen Genehmigung durch das Landesdenkmalamt erfolgte Anfang 2020 die Ausschreibung der Baumaßnahme, für die bereits 2019 im Vorfeld Drainage-, Abdichtungs- und Abstützarbeiten an der Nordost-Seite gemacht worden waren.

Seit April dieses Jahres zeugt ein Gerüst mit großem Banner vom Beginn der Renovierungsarbeiten. Zuvor hatten Ehrenamtliche Eigenleistungen wie Ausräumen und Abtransport der Kirchenbänke, Verhüllung der in der Kirche verbleibenden Gegenstände und Abschlagen des durchfeuchteten Putzes an den Innenwänden erbracht. Die Glocken schweigen seither und der Gottesdienst findet im benachbarten Gemeindehaus statt.

Das Fachwerk am Kirchturm wird verputzt


Schon bald wurde festgestellt, dass die Schäden am tragenden Gebälk schlimmer als ursprünglich angenommen sind. Auch das Fachwerk wurde bei der vorigen Renovierung nicht ausreichend instand gesetzt. Dadurch erhöht sich der Kostenrahmen auf 590 000 Euro, was vom Kirchengemeinderat auch genehmigt wurde. In diesem Zuge hat man nach Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt beschlossen, dass das Fachwerk am Turm verputzt wird. Ansonsten kämen immer wieder neue Kosten für die Pflege des Fachwerks auf die Kirchengemeinde zu.

Die Kirchengemeinde bringt über die Hälfte der Baukosten aus Eigenmitteln auf, aus dem Haushalt, aus Eigenleistungen und aus Spenden. „Unser Ziel ist, 100 000 Euro aus Spendenmitteln zu rekrutieren, im Moment fehlen uns davon noch 52 000 Euro“, hofft Kirchengemeinderat und Bauausschussmitglied Gerhard Kolb auf weitere Spenden. Die restlichen Finanzierungsmittel kommen von der Landeskirche, dem Kirchenbezirk und vom Landesdenkmalamt. Die Stadt Nürtingen beteiligt sich aufgrund einer rechtlichen Vorgabe mit einem Zuschuss von 50 Prozent an den Kosten für die Turmrenovierung.

Kürzlich haben Oberbürgermeister Dr. Johannes Fridrich, Gemeinde-, Ortschafts- und Kirchengemeinderäte sich ein Bild von den laufenden Baumaßnahmen in der St.-Bernhards-Kirche gemacht. „Alle waren über die großen Schäden am ältesten Gebäude Neckarhausens erstaunt“, hat Pfarrer Baumann ausgemacht.

Zimmerleute, Gerüstbauer, Maurer, Steinmetze, Stuckateure, Maler, Installateure, Elektriker, Heizungsbauer, Turmuhrbauer, Restauratoren und Medientechniker geben sich noch bis voraussichtlich Ende November 2020 ein Stelldichein in der St.-Bernhards-Kirche. Diese soll dann innen und außen wieder in neuem Glanz erstrahlen. „Wir müssen die Kirche auch so ertüchtigen, dass mit modernen Kommunikationsformen wie neuer Lautsprecheranlage, Beamer, Kamera und Leinwand gearbeitet werden kann“, plant Florian La Rosa, einer der beiden Architekten, auch den Einzug neuester Technik ins Gotteshaus. Dort sollen in aufpoliertem Gewand und mit neuer Technik schon bald wieder Gottesdienste stattfinden. Und dann können die Neckarhäuser auch wieder das lieb gewonnene und vertraute Glockengeläut ihrer St.-Bernhards-Kirche hören.