Neubauten auf dem Areal der Johanneskirche Wendlingen

Anstelle der Johanneskirche entstehen in der Albstraße ein Gemeindezentrum und ein Wohnprojekt für behinderte Menschen

Der Turm der Johanneskirche – er bleibt als Reminiszenz an die Vergangenheit. Daneben entstehen Gemeindezentrum (links) und das inklusive Wohnprojekt der Bruderhaus-Diakonie. Foto: sg

Nürtinger Zeitung: Sylvia Gierlichs

Auf dem Areal der Johanneskirche werden noch die Trümmer beseitigt. Unterdessen tut die evangelische Kirchengemeinde gemeinsam mit der Bruderhaus Diakonie aus Reutlingen einen Blick in die Zukunft und stellte am Montag nochmals die Pläne für die Neubebauung des Grundstücks vor.

Der Startschuss für den Bau des neuen Gemeindezentrums und des Wohnprojekts der Bruderhaus Diakonie fällt im September. So lange wird es dauern, bis das Grundstück bebaubar ist. Und die Ausschreibungen über die Bühne gegangen sind. Denn geht der Bau erst los, soll möglichst Gewerk für Gewerk ineinander übergreifen bis dann im Frühjahr 2022 die beiden Gebäude bezugsfertig sind. Das Bauprojekt hat also mit der evangelischen Kirchengemeinde Wendlingen und der Reutlinger Bruderhaus Diakonie zwei Bauherren, die sich vergangene Woche vertraglich zu einer Bauherrengesellschaft zusammengeschlossen haben.

Auf dem Grundstück entsteht zweierlei: Zum einen das Gemeindezentrum, das seit 2012 in der Lauterschule untergebracht ist – ein Provisorium. Ein Gemeindesaal, ein Foyer, verschiedene Büros, in denen beispielsweise Kirchenpflege, Kantorat, Diakonat und Pfarrbüro untergebracht sind, ein Sitzungsraum, zwei Gruppenräume und eine Wohnküche mit Gartenzugang werden in dem Gebäude mit einer Nutzfläche von 844 Quadratmetern untergebracht.

Die Bewohner des Wohnprojekts als Mitbürger aufnehmen

Direkt nebenan wird das Wohnprojekt der Bruderhaus Diakonie entstehen. Mit 1426 Quadratmetern Nutzfläche ist es das dominierende Gebäude auf dem Grundstück. Drei Wohngruppen und auch Einzelappartements für insgesamt 23 Menschen sollen dort untergebracht werden. Menschen mit unterschiedlichen Hilfebedarfen. Wohnen und Leben mittendrin, wie Ute Schwarzkopf-Binder, es ausdrückte. Und mittendrin ist sie, die Wohngruppe. Zentraler kann man in Wendlingen kaum wohnen. Durch die Struktur des Hauses können Begegnungsmöglichkeiten geschaffen werden“, ist sich Schwarzkopf-Binder sicher. Ihre Kollegin Sonja Weiblen, die bei der Bruderhaus Diakonie für die Behindertenhilfe arbeitet, betont, man wolle die Bewohner als Mitbürger verstanden wissen. Deswegen würde sich die Institution auch freuen, wenn sich Menschen fänden, die sich ehrenamtlich für die Einrichtung und die Menschen engagieren.

Und auch die evangelische Kirchengemeinde will da hin, wo die Menschen sind, wie Pfarrer Peter Brändle es ausdrückte. Und sieht durch die Zentralisierung der kirchlichen Institutionen im neuen Gemeindezentrum innerkirchlich kommunikative Vorteile. „Die Zeit des Provisoriums muss auch mal vorbei sein“, sagte Brändle. Aber auch für die Menschen sei die Kirche hier besser erreichbar. Ein After-Work-Treffpunkt auf der Dachterrasse des neuen Gebäudes könnte er sich vorstellen „um Menschen zusammenzubringen.“ Diakonin Bärbel Greiler Unrath sieht in dem Projekt die Möglichkeit, Inklusion weiter voranzutreiben. Sie sieht im 47 Quadratmeter großen Raum der Möglichkeiten eine Schnittstelle zwischen der Kirche und der Stadt. „Inklusion ist kein Projekt, dass man mal macht und das irgendwann zu Ende ist. Inklusion ist eine Haltung“, sagte sie.

Gemeinderat Hans-Georg Class beschäftigt sich mit dem Projekt schon seit mehr als zehn Jahren. „Man musste sich von heimatbildenden Aspekten verabschieden“, sagt er. Nun jedoch sieht er im neuen Gemeindezentrum die Möglichkeit, der Kirchengemeinde eine neue Heimat zu geben. Diese Heimat braucht natürlich auch einen Namen. Um den zu finden, sind alle Wendlinger aufgerufen, sich zu beteiligen. „Die Einreicher sollten eine kleine Begründung dazuschreiben“, sagte Class. Das letzte Wort dazu hat der Kirchengemeinderat.

Bürgermeister Steffen Weigel freute sich, dass das Projekt nun endlich starten kann. „Die evangelische Kirchengemeinde hat sich auf den steinigen Weg gemacht und langen Atem bewiesen“, sagte der Rathauschef. Dass die Räumlichkeiten des Gemeindezentrums auch für nicht-kirchliche Veranstaltungen geöffnet werden sollen, begrüßte er. Ebenso freut er sich über das Wohnprojekt. „Wir wollen diese Menschen bei uns haben“, sagte er.

Info
Zahlen, Daten, Fakten


Das Gemeindezentrum:
844 Quadratmeter
Erdgeschoss: Gemeindesaal (132 Quadratmeter) mit Verbindung zum Foyer (103 Quadratmeter), wo auch Gottesdienste, Feste und Kulturveranstaltungen stattfinden können. Auch verschiedene Büros sind im EG untergebracht. Eine Wohnküche (40 Quadratmeter) mit Gartenzugang und eine Saalküche für Caterer
Obergeschoss: Sitzungsraum (20 Quadratmeter) für beispielsweise Kirchengemeinderatssitzungen. Zwei Gruppenräume (50 und 30 Quadratmeter für Gemeindegruppen und Chöre; Das geplante Forum der Möglichkeiten (47 Quadratmeter) für kulturelle Angebote und neue Ideen. Dachterrasse, die lockere Formen der Gemeindearbeit ermöglicht.

Kosten: 3,6 Millionen Euro, Zuschüsse von der Landeskirche und dem Kirchenbezirk Nürtingen.

Das Wohnprojekt:
1426 Quadratmeter
Erdgeschoss: Gemeinschaftsbereich für unterschiedliche Angebote, die den Bewohnern Tagesstruktur geben.
Obere Etagen: 23 Wohnplätze, aufgeteilt in drei Wohnungen für jeweils sechs Personen und fünf Einzelappartements.
Parken:
Es werden 19 Stellplätze für Automobile gebaut, hinzu kommen zudem 27 Fahrradstellplätze.

Kosten: 3,8 Millionen Euro, Zuschüsse von KVJS (1,46 Millionen Euro)