Connection timed out Oelberg Beuren : Evangelischer Kirchenbezirk Nürtingen

Das Kunstwerk ist jetzt sauber

Zur Einweihung des restaurierten Ölbergs kam der evangelische Landesbischof Frank Otfried July nach Beuren

Landesbischof Dr. Frank Otfried July (links) ist am gestrigen Sonntag in der evangelischen Nikolauskirche in Beuren zur Einweihung des restaurierten Ölbergs zu Gast gewesen. Foto: Dietrich

15.04.2019, Von Peter Dietrich

Seit 2005 ist der evangelische Landesbischof Dr. Frank Otfried July fast jeden Sonntag in einer württembergischen Kirchengemeinde zu Gast. „In dieser Kirche war ich, glaube ich, noch nie“, sagte er dennoch in der evangelischen Nikolauskirche in Beuren. Besonders gefiel ihm der Palmesel.

BEUREN. Die Nikolauskirche in Beuren ist etwas ganz Besonderes: Das denkmalgeschützte Ensemble besteht aus Kirche, Pfarrhaus, Pfarrgarten, Pfarrwiese, der Pfarrscheuer mit Hof und dem ummauerten Kirchhof, also Friedhof. „So etwas gibt es in ganz Württemberg nur drei Mal“, sagte Pfarrer Andreas Stiehler. Ebenfalls sehr selten sind Palmesel, auf denen Jesus reitet. Das Kunstwerk steht heute in der Nikolauskirche, hatte aber wohl früher Räder und wurde bei Prozessionen mitgenommen. Später wurden solche Kunstwerke auf Anweisung der Bischöfe zerstört, weltweit soll es nur noch etwa 220 davon geben.

Ebenfalls außergewöhnlich ist der Beurener Ölberg: Draußen im Kirchhof wird an der Kirchenwand in Skulpturen dargestellt, wie Jesus im Garten Gethsemane betet und seine Jünger währenddessen schlafen. Im Hintergrund der Darstellung kommt schon der – wie Walter Jens einmal geschrieben hat, womöglich gründlich missverstandene – Verräter Judas, mit dem Geldsack um den Hals, der die Schar mit ihren Schwertern und Stangen zur Festnahme von Jesus führt.

Dieses Kunstwerk hat nun eine kleine Restauration erlebt. Es stammt vermutlich aus dem Jahr 1510. Diese Jahreszahl, sagte Pfarrer Stiehler, wurde aber erst um das Jahr 1900 herum angebracht. Man kann sie erst richtig erkennen, wenn sie befeuchtet wird. Wer den Ölberg schuf, ist nicht sicher. In seinem Buch über die Nikolauskirche schreibt Dietrich Braun die Steinmetzarbeit Christoph von Urach zu, genauso wie den Ölberg in Neuffen. Die großen Figuren, schreibt er, seien sicher Meisterarbeit, die Hintergrundfiguren Werke seiner Schüler.

Einmalig in ganz Baden-Württemberg sei die Kombination mit dem himmlischen Jerusalem, malerisch über den Steinfiguren dargestellt und auf 1580 datiert. „Er ist jetzt sauber“, freute sich Pfarrer Stiehler über die kleine Restauration des Ölbergs. „Es sind schon Spinnen da, die schon wieder arbeiten“, fügte er humorvoll hinzu. Zudem wurden lose Teile verfestigt. Es war jedoch keine große Restauration, die Farben wurden also nicht erneuert, was sich manche Gemeindeglieder sehr wünschen.

Es ist ein Wunsch, bei dem auch der Denkmalschutz entscheidend mitzureden hat. So bleibt derzeit beim schlafenden Petrus mit dem Schwert, rechts unten dargestellt, nur noch ein wenig Gold am Kragen zu erkennen. Dennoch lohnt der Gang bis direkt vor das Kunstwerk, erst dann entfaltet es seine beeindruckende Wirkung.

Landesbischof erinnert an Bonhoeffer und Martin Luther King

Am Palmsonntag, dem Sonntag vor Ostern, wird an Jesu Einzug in Jerusalem erinnert. Jesus zog nicht auf dem Araberhengst in die Stadt, sondern auf einem kleinen Esel, betonte Landesbischof July in seiner Predigt. „Es kommt einer, der nicht einen Gottesstaat errichtet. Wenn wir an die vielen denken, die in unserer Zeit Gottesstaaten errichten wollen, mit all den Folgen, sind wir darüber froh. Sondern er will den Weg zum Reich Gottes zeigen. Kein Gewaltiger, kein Machtmensch, sondern einer, der sich selbst entäußert, der sich den Menschen ausliefert, das bedeutet der ganzen schrecklichen Finsternis der Welt.“

Jesus habe sich von den Begeisterungsrufen der Menschen nicht blenden lassen, der Weg zum „Kreuzige ihn!“ ging nur wenige Tage. „Er kennt die Menschen: Sie wollen einen König, während sie den Messias in ihrer Schwachheit hassen. Weil sie Macht und Einfluss wollen, werden sie den wegstoßen, der den Frieden bringt.“

Doch manche Menschen hätten sich auf den Weg gemacht, Jesus zu folgen: Der Bischof erinnerte an Dietrich Bonhoeffer, der gegen die Kriegs- und Mordlust der Nazis arbeitete und kurz vor Kriegsende hingerichtet wurde, und er erinnerte an Martin Luther King. „Er las immer, bevor er Widerstand leistete, die Bibel, weil es ihm nicht um die Gewalt ging, sondern um das Zeichen Gottes unter uns. Es sind die Diktatoren dieser Welt, die es nicht ertragen, wenn das Evangelium verkündigt wird, dass da einer gedacht und bezeugt wird, der noch höher ist als sie selbst.“

Der Bischof gab sich nicht höher als andere, sondern setzte sich beim Essen zum Plaudern zu den Gemeindegliedern. Erst kurz vor 13 Uhr dankte er für die Maultaschen, wünschte gesegnete Ostertage und zog weiter.