Der schönste, aber auch der schwerste Beruf

In der Nürtinger Stadtkirche werden drei junge Menschen in den Pfarrdienst eingesetzt

1. Schuldekanin Dorothee Moser, Dekan Michael Waldmann, Jonathan Schneider, Pfarrer Gunther Seibold, Katrin Masen, Paul-Bernhard Elwert, Pfarrer Hannes Gaiser, Rose Heimgärtner, Karin Besemer, Nicole Weber, Dr. Bernd Brandl, Pfarrerin Kornelia Stysch (v.l.) vor dem Portal der Nürtinger Stadtkirche

Pfarrer zu sein, das ist der schönste, aber zugleich auch der schwerste Beruf. Davon ist Michael Waldmann, Dekan des Evangelischen Kirchenbezirks Nürtingen, überzeugt. Diese Überzeugung gab er Nicole Weber, Paul-Bernhard Elwert und Jonathan Schneider mit auf den Weg in den Pfarrberuf. In der Nürtinger Stadtkirche St. Laurentius wurden die drei nach Abschluss ihres Vikariats in einem feierlichen Ordinationsgottesdienst in den Pfarrdienst berufen. Mit der Ordination erhielten sie ihre besondere Beauftragung, sagte Waldmann. Dazu gehöre unter anderem öffentlich das Wort Gottes zu verkündigen, die Sakramente zu verwalten, Seelsorge zu leisten und Menschen im christlichen Glauben zu unterrichten. „Pfarrer ist viel mehr als ein Beruf, es ist eine Berufung“, so der Dekan, bevor er Weber, Elwert und Schneider auf ihren Dienst verpflichtete und ihnen das Ordinationsgelübde abnahm.
Über seine Predigt hatte Waldmann den Satz gestellt: „Gottes Wort wirkt.“ Ein Zeichen dafür sei auch, „dass sich heute drei junge Menschen in den Dienst am göttlichen Wort berufen lassen und Pfarrerin bzw. Pfarrer der württembergischen Landeskirche werden wollen“. Auf die Wirkung des göttlichen Wortes, auf Gottes Zusagen sei Verlass, auch wenn es manchmal einen anderen Anschein habe. Allerdings bedeute dies nicht, „dass Gott alle unsere Wünsche erfüllt“, sondern vielmehr alle seine Verheißungen, zitierte er Dietrich Bonhoeffer. Deshalb sei es auch Aufgabe der Pfarrerinnen und Pfarrer, mit der Gemeinde zu überlegen, „welche Wege Gott weist, die ja oft so anders sind als unsere eigenen Wege“.
Warum er den Beruf des Pfarrers für den schönsten und zugleich schwersten hält? Weil man durch ihn „mit Menschen zu tun hat und den von Gott geliebten Menschen von dieser Liebe erzählen kann, Kinder und Jugendliche ins Leben hinein begleiten, Menschen an ihren Krisenpunkten zur Seite stehen, Traurige trösten und mit Fröhlichen feiern“ kann. Schwer werde es unter anderem, wenn es gelte Trost zu spenden und selbst vielleicht trostbedürftig zu sein, Glaubensgewissheit zu vermitteln und selbst vielleicht gerade in vielen Fragezeichen zu stecken, mitten im Trubel zu stehen und eigentlich eher Ruhe zu suchen, für alle da zu sein und gleichzeitig auch Raum und Zeit für sich selbst zu brauchen. Zur Dankbarkeit, diesen Beruf ausüben zu dürfen, brauche es zugleich Kraft und Vergewisserung. Dieser Vergewisserung diene die Ordination und das „Ja“, das die drei jungen Theologen darin zu ihrer Berufung sprechen.
Zweieinhalb Jahre haben Nicole Weber, Paul-Bernhard Elwert und Jonathan Schneider nach dem abgeschlossenen Theologiestudium ihr Vikariat in Reudern, Oberboihingen und Neuffen absolviert. An der Seite ihrer Ausbildungspfarrer Kornelia Stysch, Hannes Gaiser und Gunther Seibold konnten sie vielfältige praktische Erfahrungen sammeln, bevor sie demnächst eigene Gemeinden übernehmen. Ihre beruflichen Mentorinnen und Mentoren gaben ihnen ebenso wie die von ihnen selbst gewählten Zeuginnen und Zeugen sowie die Vertreterinnen der Kirchengemeinden gute Wünsche und auch Ratschläge mit auf den Weg. Viel Lobendes war dabei über die drei jungen Theologen, ihre Glaubensgewissheit und ihr Engagement zu hören.
Dass sie einmal Pfarrerin oder Pfarrer sein würden, war nicht allen vorgezeichnet. Nicole Weber sprach von einem „langen Weg der Berufsentscheidung“. Inzwischen ist sie überzeugt, den richtigen Weg gewählt zu haben: „Es macht mir große Freude, mit Menschen aller Generationen unterwegs zu sein und Gott und die Menschen in Verbindung zu bringen“ Es sei ein großes Privileg, sich im Beruf mit existentiellen Fragen des Lebens so intensiv auseinandersetzen zu dürfen. Von Reudern und ihrer Ausbildungspfarrerin Kornelia Stysch führt ihr Weg jetzt nach Tuttlingen.
Paul-Bernhard Elwert dagegen entschloss sich schon kurz nach dem Abitur in einem Freiwilligen Sozialen Jahr in Kamerun für das Theologiestudium. Auch er möchte „gemeinsam mit anderen das Leben gestalten, den großen Fragen des Lebens nachspüren und Rechenschaft ablegen von der Hoffnung, die mich prägt“. Weil seine Frau derzeit Vikarin in Köngen ist, wird er künftig in Wendlingen als Pfarrer tätig sein. In Oberboihingen war Hannes Gaiser sein Ausbildungspfarrer. Jonathan Schneider, der bisher Vikar in Neuffen bei Pfarrer Gunther Seibold war, wird im März eine Pfarrstelle in Schömberg im Nordschwarzwald antreten. Noch vor zehn Jahren hätte er alles verwettet, dass er nicht Pfarrer werde, erzählte er. Eigentlich wollte er als Mathe- und Religionslehrer ins Lehramt. Doch stetig wuchs die Erkenntnis, dass er als Pfarrer genau das zum Beruf machen könne, was schon immer der wichtigste Teil seines Lebens gewesen sei, nämlich sein Glaube. „Gottes Wege sind nicht unsere Wege“, so sein Fazit.
Musikalisch in sehr vielfältiger Weise gestaltet wurde der Ordinationsgottesdienst durch das Vokalensemble „capella laurentiana“, das Blechbläserensemble „S’Blechle“, die Bezirksprojektband sowie Angelika Rau-Čulo und Michael Čulo an Klavier und Orgel.

Text und Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger