Der Weg des Glaubens geht weiter

Pfarrer Wilfried Scheuer wurde mit einem bewegenden Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet

Nach über 13 Jahren Kirchendienst in Frickenhausen, geht Pfarrer Wilfried Scheuer in den Ruhestand. Mit dem Gottesdienst in der evangelischen Kirche „Zu unserer lieben Frau“ feierten die Gemeindeglieder einen rührenden Abschied. Dekan Michael Waldmann entpflichtete den Seelsorger und spendete ihm den Segen.

Mit Bändern besangen die Kindergartenkinder ihre gute Verbindung zum scheidenden Geistlichen. Krytzner

30.10.2018, Von Thomas Krytzner


FRICKENHAUSEN. Fast traurig klang die Einladungsglocke der evangelischen Dorfkirche in Frickenhausen, als sie am späten Sonntagnachmittag zum Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Wilfried Scheuer einlud. In der Kirche war allerdings vor dem Gottesdienst nichts von der Traurigkeit zu spüren. Der Kirchenchor übte ein letztes Mal vor Beginn die heiklen Passagen und die Kinder und Erzieherinnen des Kindergartens auf dem Berg waren schon ganz aufgeregt. Die Verabschiedung eines Pfarrers ist ja auch nicht alltäglich im Gemeindeleben.

Mit dem Orgelspiel begann der Gottesdienst in der rund 500 Jahre alten gotischen Kirche. Pfarrer Wilfried Scheuer begrüßte die anwesenden Gemeindeglieder und wies darauf hin, dass gerade jetzt auch Gott in der Mitte sei.

Für die Kinder kam nun der große Moment. Mit ihrem ersten Lied über die Güte und Liebe Gottes – frei nach der Melodie des Gospelsongs „Rock My Soul“ begeisterten sie die Besucher des Abschiedsgottesdienstes. Die Kinder und ihre Erzieher hatten aber noch eine weitere Überraschung bereit. In einem kurzweiligen Video durften die Kindergartenkinder Fragen über den Pfarrer beantworten. Wie heißt der Pfarrer? Wo wohnt und arbeitet er? Warum steht er auf der Kanzel? Auf fast alle Fragen wussten die Kinder eine Antwort. Zur Belustigung der Gottesdienstgemeinde manchmal nicht die passende. So vermutete ein Sprössling bei der Kanzel-Frage: „Der Pfarrer steht da oben, weil er was reparieren muss.“ Mit dem anschließenden Lied über das Band der Liebe zeigten die Kinder ihre Verbundenheit zum scheidenden Geistlichen und es gab Geschenke. Ein sichtlich gerührter Pfarrer Wilfried Scheuer nahm das selbst gebastelte Bild der Sonne und einen Schutzengel aus Kinderhänden entgegen.

Der Geistliche nahm das erhaltene Bild als Symbol für seine Abschiedsrede und stellte fest: „Gottlose Liebe ist wie die Erde ohne Sonne.“ Er erinnerte an seine Kindheit, in der er schon eigene Erfahrungen mit Minderheiten gemacht hatte. Denn, so Scheuer, seine Familie sei die einzige in der Straße gewesen, die zur Kirche gegangen sei. Die Musik ließ auch in der Jugend die Bande zur Kirche nicht abreißen. „Ich spielte Geige und musizierte oft in Gottesdiensten.“ Dennoch haderte er oft mit dem Glauben. „Ich träumte von einer Solidaritätsgesellschaft.“

Das Wort Gnade erhielt im weiteren Lebenslauf des scheidenden Pfarrers eine hohe Bedeutung. „Ich studierte Theologie, weil ich wissen wollte, was es mit dem Glauben auf sich hat.“ Schließlich entschied er sich, Pfarrer zu werden. „Ich wollte helfen. Es ist auch heute noch klar: Einander Helfer sein, ist die menschliche Grundbestimmung.“

Der Abschied ist ein Tag der Wehmut

Seine letzte Station in seiner Amtszeit als Pfarrer trat er vor 13 Jahren in Frickenhausen an. „Ich stieß in der Gemeinde auf viele Menschen mit Sinn für Gerechtigkeit.“ Er bestätigte, dass er in „seiner“ Gemeinde nicht in eine Schublade gesteckt wurde, sondern viele offene Begegnungen erleben durfte. Eine dieser Begegnungen war vor wenigen Jahren dann Auslöser, sich auf den Ruhestand vorzubereiten. „Als ich auf dem Weg zum Religionsunterricht war, rief mir ein Junge im Kindergarten zu: Hallo Opa. Ich habe mich mit dem Kind gut unterhalten, aber auch gemerkt, dass es so langsam Zeit wird.“

Dekan Michael Waldmann würdigte Pfarrer Wilfried Scheuer für seine fast 40 Jahre in den Diensten der Landeskirche. Der Abschied sei ein Tag der Wehmut und ein Abschied von einer Berufung. Waldmann bot jedoch an, dass der baldige Pfarrer im Ruhestand bei Langeweile auch Vertretung in den Kirchen im Landkreis übernehmen könne. Der Dekan entpflichtete Wilfried Scheuer aus dem offiziellen Dienst in der Landeskirche und spendete ihm den Segen. Wilfried Scheuer tritt zum 1. Januar in den Ruhestand. Seinen Weg des Glaubens wir er aber gemeinsam mit seiner Familie weitergehen.