Das Privileg, den Glauben zu teilen

Ab September ist Rebekka Elwert die neue Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Zizishausen

Rebekka Elwert ist ab dem 1. September Pfarrerin in Zizishausen. Foto: privat

21.08.2020 05:30, Von Sabrina Kreuzer

Mit erst 30 Jahren steht Rebekka Elwert vor einer Herausforderung: Sie wird ab dem 1. September die Kirchengemeinde Zizishausen leiten und betreuen. Momentan ist sie noch Vikarin in Köngen. Auf ihre Arbeit mit den Menschen im Nürtinger Stadtteil freut sie sich.

NT-ZIZISHAUSEN. Die junge Frau ist auf der Ostseeinsel Usedom in einem Pfarrershaushalt aufgewachsen. „Ich kenne beide Seiten der Arbeit und weiß, dass sie eigentlich nicht besonders familienfreundlich ist“, so Rebekka Elwert. Das Studium der Theologie reizte sie jedoch und so entschied sie sich dazu, nach Hamburg zu gehen: „Ich dachte mir, dass ich es einfach mal ausprobiere. So richtig festlegen wollte ich mich noch nicht. Ich bin sehr offen gegenüber dem, was noch kommt.“

In der Großstadt lernte sie ihren jetzigen Mann kennen: Paul-Bernhard Elwert, der mittlerweile als Pfarrer in Wendlingen arbeitet. „Für uns beide war klar, dass wir während des Studiums noch ins Ausland möchten“, erzählt Rebekka Elwert. So ging er nach Kanada und sie nach Israel. „Es war eine tolle Zeit, aber danach wollten wir zusammen wohnen.“ Weil ihr Mann aus Reutlingen kommt und zurück in seine Heimat ging, folgte sie ihm nach Tübingen: „Es ist völlig normal, im Theologiestudium auch mal an eine andere Uni zu gehen.“

„Der Pfarrberuf ist fordernd, ich stehe vor vielen Herausforderungen.“

Rebekka Elwert, angehende Pfarrerin

Für Rebekka Elwert war klar, dass sie nicht zurück in den Norden wollte. Daher entschied sie sich, in die baden-württembergische Kirche zu wechseln und trat eine Vikariatsstelle in Köngen an. „Jetzt bin ich erst einmal froh, dass ich keine Prüfungen mehr habe“, sagt sie: „Ich kann jetzt richtig durchstarten. Natürlich fühlt sich manches trotzdem an wie eine Prüfung. Der Pfarrberuf ist fordernd und ich stehe vor vielen neuen Herausforderungen.“

In Köngen habe sie viel gelernt. Die große evangelische Kirchengemeinde mit rund 4000 Mitgliedern habe sie gut auf ihre neue Position vorbereitet. „Man muss viele verschiedene Sachen machen und können. Schon alleine ein ganzes Jahr für eine Gemeinde zu planen ist viel Arbeit.“ Hinzu kommen die intensiven Kontakte, die sie in Freud und Leid haben werde: „Es ist ein Privileg, den Glauben miteinander zu teilen.“

Zunächst ist Rebekka Elwert für drei Jahre auf 50 Prozent in Zizishausen angestellt. „Die zahlreichen Kirchenaustritte haben dazu geführt, dass viele Pfarrstellen nicht mehr in Vollzeit ausgeschrieben werden“, sagt sie. Jedoch werde die Arbeit trotz sinkender Mitgliederzahlen nicht weniger: „Ob ich einen Gottesdienst für 400 oder für 40 Leute vorbereite ist egal.“

Sie ist froh, dass sie erst einmal nicht zu 100 Prozent arbeiten muss. Auch wenn ihr klar ist, dass sie sich zügeln muss: „Der eigene Chef zu sein kann gut sein, aber eben auch nicht. Ich muss versuchen, geregelte Arbeitszeiten zu finden. Am Berufsanfang ist man aber noch nicht so schnell wie die erfahrenen Kollegen, daher arbeiten viele junge Pfarrer mehr als normal.“

„Aber die ersten Jahre sind sehr wertvoll, das werde ich genießen.“

Rebekka Elwert

Nun könne sie erst einmal ihren eigenen Stil finden, lernen und sich weiterentwickeln. „Es wird sicherlich einiges geben, das ich nochmals nachschlagen muss“, sagt sie: „Aber die ersten Jahre sind sehr wertvoll, das werde ich genießen.“

Erst einmal wolle sie die Gemeinde sowie ihre katholischen Kollegen kennenlernen. „Ich interessiere mich sehr für ökumenische Projekte“, sagt sie. Ihre Arbeit stehe und falle mit den Menschen, daher sei es ihr wichtig, sich gut zu verknüpfen.

In den nächsten drei Jahren wird Rebekka Elwert die Zizishäuser in verschiedenen Lebensphasen begleiten: „Ich werde mit Konfirmanden arbeiten, Trauerfeiern, Taufen und Hochzeiten begleiten, an der Schule Religion unterrichten und natürlich Sonntagsgottesdienste halten.“ Hinzu komme viel Arbeit am Schreibtisch: „Es kommt viel Organisation und Kommunikation auf mich zu. Da muss ich aufpassen, nichts zu vergessen.“ Ebenso wird die Seelsorge in den kommenden Jahren eine große Rolle spielen: „Ich bin offen für Gespräche und Besuche. Für die Menschen da zu sein ist ein wichtiger Teil.“

Am Sonntag, 4. Oktober, ist um 9.30 Uhr ein Einführungsgottesdienst in der Christuskirche Zizishausen geplant.