Ein Fest zum Abschied

In Raidwangen wurde Pfarrer Joachim Schmid verabschiedet

Anja und Joachim Schmid (links) wurden von (von links) Inge Walz-Wenger (gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats), Dekan Michael Waldmann und dem Grünen-Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel verabschiedet. Foto: Rathmann

NT-RAIDWANGEN (pm). Sieben Jahre lang war er ihr Ansprechpartner bei allen Fragen über Gott und die Welt, er war ihr Seelsorger, Religionslehrer – und natürlich ihr Pfarrer im Dorf. Nun haben sich die Raidwänger im Rahmen eines Festgottesdienstes mit anschließendem Sommerfest von Pfarrer Joachim Schmid und seiner Frau Anja verabschiedet. „Es waren sieben erfüllte Jahre“, resümierte Schmid, der eine neue Pfarrstelle als Klinikseelsorger in Tübingen angetreten hat.

Gleichwohl erfülle ihn vieles mit Sorge – mit Blick auf den weiteren Weg in Raidwangen, aber auch mit Blick auf seine eigene neue Herausforderung. Kraft schöpft Schmid dann zum Beispiel aus der Bergpredigt. „Gott schiebt die Sorgen der Menschen nicht einfach weg“, sagte der Pfarrer. Andere zitierten im Gottesdienst die berühmten sieben fetten Jahre und äußerten die Hoffnung, dass keine sieben mageren folgen. Denn Raidwangen steht nach dem Wechsel von Pfarrer Schmid gemäß Pfarrplan 2024 künftig nur noch eine halbe Pfarrstelle zu.

Die Gemeinde kooperiert fortan mit der Nachbargemeinde Neckarhausen. Deren Pfarrer Hans-Joachim Baumann hat künftig die Geschäftsführung für beide Gemeinden. Im Zeitraum der Vakatur ist Pfarrer Andreas Stiegler mit einem Teilzeitauftrag von 50 Prozent für Raidwangen zuständig. Der 58-Jährige war zuvor in Metzingen-Neugreuth als Pfarrer tätig, dort fiel die Pfarrstelle gemäß dem alten Pfarrplan 2018 komplett weg.

Für den Ortschaftsrat hob Willi Mistele erneut hervor, dass er die Stelleneinsparungen im Rahmen des Pfarrplans für falsch halte. Er erinnerte daran, dass auch die bürgerliche Gemeinde bestrebt gewesen sei, diese Einsparung abzuwenden. Dass sich bei den Gemeindegliedern damit Sorgen breitmachen, wenn sie künftig nur noch Anspruch auf einen Pfarrer mit einer halben Stelle im Ort haben, kann auch Dekan Michael Waldmann nachempfinden, der Pfarrer Schmid offiziell verabschiedete. „Das macht es Ihnen in Raidwangen schwerer“, räumte er ein.

Zur Investitur von Pfarrer Schmid vor sieben Jahren habe es einen Regenbogen über der Kirche gegeben – ein Zeichen des Friedens und der Verbundenheit Gottes mit der Gemeinde. Obgleich der Regenbogen zur Verabschiedung als Zeichen wetterbedingt ausblieb, sei diese Verbundenheit Gottes mit der Gemeinde dennoch zu spüren, sagte der Dekan.

„Die vergangenen sieben Jahre mit Ihnen waren eine gute Zeit für Raidwangen“, sagte Waldmann und würdigte damit Schmids Einsatz für die Gemeinde. Er sei ein Pfarrer, der strukturiert arbeite, in kritischen Situationen dialogfähig bleibe, großes Interesse an Theologie und den Menschen habe und der einer Vielzahl an Aufgaben nachgekommen sei, sagte der Dekan und attestierte Schmid eine „menschenfreundliche Zugewandtheit“.

Für die neuen Aufgaben in Tübingen bringe er durch seine seelsorgerischen Fähigkeiten die besten Voraussetzungen mit. Persönlich vom Ehepaar Schmid verabschieden konnte sich die Gemeinde im Anschluss an den Gottesdienst im Rahmen des traditionellen Sommerfestes. Angesichts der hochsommerlichen Temperaturen waren die Besucher froh über schattige Plätze unter den Sonnenschirmen.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter hatten Bastelstationen für die Kids und einen Luftballonstart vorbereitet, der um 17 Uhr das farbenfrohe Ende des Fests markierte.