Hospiz-Team braucht Verstärkung

Die Nürtinger Arbeitsgemeinschaft bietet neuen Ausbildungskurs für Ehrenamtliche – Informationsabend am 22. Oktober

Die Arbeitsgemeinschaft Hospiz Nürtingen sucht Frauen und Männer aus dem Kirchenbezirk Nürtingen, die als Ehrenamtliche Menschen am Ende ihres Lebensweges begleiten. Foto: nz-archiv

11.10.2019 00:00, Von Anneliese Lieb

Sterbebegleitung ist Lebensbegleitung, steht auf der Einladung der Arbeitsgemeinschaft Hospiz. Wer sich auf dieses schwere, sehr emotionale, aber auch bereichernde Ehrenamt einlässt, benötigt eine gute Vorbereitung. Auf was sich neue Mitarbeiter einlassen, erfahren Interessierte bei einem Informationsabend am 22. Oktober, ab 19 Uhr in der Diakoniestation Nürtingen.

NÜRTINGEN. Beate Genkinger ist eine starke, selbstbewusste Frau. Als ehrenamtliche Sterbebegleiterin hat sie schon bei Männern und Frauen am Bett gesessen. Die einen Menschen haben am Ende ihres Lebens das Bedürfnis, über Dinge zu reden, die sie belasten. Andere schweigen. Manchmal steht etwas Unausgesprochenes zwischen Klienten und ihren Angehörigen. „Wenn es erwünscht ist, versuche ich zu vermitteln“, sagt Beate Genkinger. Die Nürtingerin ist seit drei Jahren ehrenamtliche Mitarbeiterin im Hospizteam. „Die Einsätze finde ich für mich persönlich sehr bereichernd“, sagt eine Frau, die vielseitig engagiert ist. Für sie sind die Einsätze auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit und der eigenen Haltung gegenüber Sterben und Tod. Sicherheit gibt ihr, dass die Ehrenamtlichen des Nürtinger Hospizteams nie auf sich alleine gestellt sind. „Wir können jederzeit die Leitung anrufen, das gibt Rückhalt und Selbstvertrauen.“

Gabriele Grünewald, zusammen mit Karen Renftle Einsatzleiterin der Arbeitsgemeinschaft Hospiz, nickt zustimmend. „Ich habe noch niemand erlebt, der sagte, ihm hätten die Einsätze nichts gebracht“, betont Grünewald, die nicht nur in Nürtingen in Sachen Hospiz engagiert ist, sondern auch Erfahrung aus beruflichen Stationen in Tübingen und München mitbringt.

„Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen“, lautet ein Zitat von Guy de Maupassant. Das können auch Begegnungen in der letzten Phase des Lebens sein. Wenn ein Sterbebegleiter aus dem Hospiz-Team am Bett eines Sterbenden sitzt und ihm schweigend die Hand hält, Zeit schenkt, ihm aus einem Buch vorliest oder ein Lied mit ihm singt, dann finden diese Gesten immer in Abstimmung mit dem Klienten oder seinen Angehörigen statt. Der Erstkontakt wird immer vom Leitungsteam hergestellt. Gabriele Grünewald und Karen Renftle entscheiden, wer aus dem Team der Sterbebegleiter passt.

Niemand wird ins kalte Wasser geworfen. Den Einsätzen geht eine umfassende Schulung voraus. Der nächste Ausbildungskurs beginnt im Januar und dauert ein halbes Jahr. Überwiegend in Abendschulungen lernen die Interessierten nicht nur Gesprächsführung, Wahrnehmen, Deuten und Zuhören. Auf dem Stundenplan stehen auch die Sterbephasen und der Sterbeprozess, Tod, Bestattung und Rituale, Patientenverfügung oder eine Einführung in Kinästhetik. „Die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit half mir, mich auf etwas Unausweichliches einzulassen und damit den Schmerz, das Leid und die Trauer als Bestandteil unseres Lebens anzunehmen und dadurch auch betroffenen Menschen und deren Angehörigen beizustehen“, sagt Gabriele Grünewald. Zum Kurs gehören unter anderem auch Besuche auf der Palliativstation im Klinikum Nürtingen oder im Hospiz in Esslingen. Der Kurs schließt ab mit einem feierlichen Einsetzungsgottesdienst, in dem die neuen Ehrenamtlichen ihre Zertifikate überreicht bekommen.

Den Einsätzen geht eine umfassende Schulung voraus

Wer sich für den Dienst und die Teilnahme am Ausbildungskurs entscheidet, der muss eine Verpflichtungserklärung für eine verlässliche Mitarbeit für mindestens zwei Jahre nach Abschluss des Kurses abgeben. Außerdem verpflichtet man sich zur regelmäßigen Teilnahme am Gruppenabend. „Die Supervision ist ein wunderbarer Austausch, bei dem wir auch spüren, dass wir alle im gleichen Boot sitzen“, sagt Beate Genkinger.

Die Teilnahme an den Wochenendterminen im Rahmen des Ausbildungskurses ist bindend. „Die Teilnehmer sollten keine eigene aktuelle Trauersituation erleben oder verarbeiten müssen“, gibt Gabriele Grünewald Interessierten den Rat, dann lieber noch zu warten und zu einem späteren Zeitpunkt eine Ausbildung als ehrenamtlicher Sterbebegleiter zu absolvieren.

Das Angebot der Arbeitsgemeinschaft Hospiz wird seit Jahren im gesamten Kirchenbezirk dankbar angenommen. Etwa 40 Hospizbegleiter stehen für Einsätze bereit. Da Mitarbeiter auch aus Altersgründen aus dem Team ausscheiden, sind neue Begleiter aus Nürtingen und den Umlandgemeinden willkommen.

Umfassende Informationen (zunächst ganz ohne Verpflichtung) über die ehrenamtliche Hospizbegleitung gibt es am Dienstag, 22. Oktober, 19 Uhr, in den Räumen der Diakoniestation Nürtingen, Hechinger Straße 12.