Neuanfang in Raidwangen

Pfarrstelle ist wieder besetzt – Vanessa Wöllenstein ins Amt eingeführt

Raidwangens neue Pfarrerin Vanessa Wöllenstein (Mitte) mit ihren Zeugen, Pfarrerin Annegret Künstel und Pfarrer Andreas Stiegler, zur Rechten sowie der gewählten Vorsitzenden des Kirchengemeinderats, Inge Walz-Wenger, und Dekan Michael Waldmann zur Linken. Foto: Rathmann

15.10.2019 00:00, Von Matthias Rathmann

NT-RAIDWANGEN. Alles neu in der evangelischen Kirchengemeinde Raidwangen: Die Gemeindeglieder haben nach kurzer Vakatur wieder einen Pfarrer vor Ort – oder besser gesagt eine Pfarrerin. Vanessa Wöllenstein hat ihren Dienst zu Monatsbeginn angetreten, zuvor war die 39-Jährige im Schuldienst in Pfullingen tätig.

Dekan Michael Waldmann erläuterte am Sonntag in der voll besetzten Kirche, dass die Amtseinführung in vielerlei Hinsicht einen Neubeginn markiere. Raidwangen bekomme erstmals eine ständige Pfarrerin, die also dauerhaft angestellt ist. Und Raidwangen müsse erstmals mit einer 50-Prozent-Pfarrstelle vorliebnehmen. Die Kürzung ist dem Pfarrplan 2024 geschuldet, der Anpassungen bei Personal und Strukturen der Landeskirche vorsieht.

Pfarrer Joachim Schmid, der sieben Jahre in Raidwangen wirkte, war im Juni in die Klinikseelsorge nach Tübingen gewechselt. Seitdem war die Pfarrstelle unbesetzt – ein vergleichsweise kurzer Zeitraum. Ansprechpartner vor Ort war in dieser Zeit Pfarrer Andreas Stiegler aus Metzingen-Neugreuth. Der Dekan ermunterte die Gemeinde dazu, trotz veränderter Bedingungen zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. „Raidwangen hat nicht nur eine neue Pfarrerin, sondern auch einen neuen geschäftsführenden Pfarrer“, sagte er. Gemeint ist Hans-Joachim Baumann von der Nachbargemeinde Neckarhausen, der nun für beide Kirchengemeinden verantwortlich ist. Auch das ergibt sich aus dem Pfarrplan, der ein Zusammenwachsen der kleineren Gemeinde in Raidwangen mit der größeren in Neckarhausen vorsieht. Obgleich damit wahrscheinlich noch einige Herausforderungen verbunden sind, gilt laut Dekan Waldmann: „Wenn Gott das Neue begleitet, wird es gut.“

In Raidwangen nicht nur beruflich zu Hause

Pfarrerin Wöllenstein hat daran ebenfalls keine Zweifel. Passend zu ihrem neuen Lebensabschnitt baute sie ihre Predigt auf das Jesaja-Wort „Denn siehe, ich will ein Neues schaffen“ auf. Neuanfänge seien wichtig im Leben, betonte sie – wenngleich sie vielfach zwiespältig gesehen würden. Einerseits heißt es: Aller Anfang ist schwer. Andererseits ist im Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse zu lesen: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Doch egal, wie man es nun sieht – fest steht für Wöllenstein, dass Gott jeden Neuanfang begleitet. „Und ich bin dankbar, dass er uns dabei die Hand reicht.“ Wie Michael Waldmann warb auch Vanessa Wöllenstein dafür, den Neuanfang in Raidwangen – besonders das Zusammengehen mit Neckarhausen – positiv zu begleiten. „Es kann den Horizont weiten und neue Chancen bieten“, erläuterte die Pfarrerin.

In Raidwangen ist sie nicht nur beruflich, sondern auch bereits privat zu Hause: Mit ihrem Mann und ihrer dreijährigen Tochter hat die Theologin vor einem knappen Monat das Pfarrhaus in der Bachstraße bezogen. Zuletzt hatte die Familie in Reutlingen-Altenburg gewohnt. Warum sie sich denn gerade in Raidwangen beworben habe, wo sie ihr Studium doch in die weite Welt geführt hatte, unter anderem nach Südafrika und Berlin, wollte Dekan Waldmann wissen. „Raidwangen ist ein wunderschöner und familienfreundlicher Ort“, entgegnete die Pfarrerin und sagte, dass die Stellenwahl auch mit ihrer persönlichen Lebensplanung zusammenhänge.

Sie habe gezielt eine 50-Prozent-Stelle gesucht, mit der sich Familie und Beruf in Einklang bringen lassen würden. Und was sie an ihrem Beruf schätze, fragte der Dekan. Dass es für sie der schönste Beruf überhaupt sei, antwortete Wöllenstein. „Er bringt eine unglaubliche Abwechslung und Begegnungen mit Menschen in allen Altersklassen“, sagte sie. Und er hat auch schon ihre Freizeit bereichert. Die Pfarrerin ist nämlich bereits dem Kirchenchor beigetreten. Andere Hobbys wie das Nähen oder das Fitnesstraining müssen erst einmal warten. Zunächst gilt es, die restlichen Umzugskartons auszupacken. Denn auch sie begleiten nun mal diesen Neuanfang.